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JSG Mittleres Taubertal: 50 Kinder stehen ohne Trainer da
Der JSG Mittleres Taubertal fehlen Trainer für rund 50 C‑Junioren. Ohne Freiwillige droht die Abmeldung eines Teams. Der Mangel an Ehrenamtlichen ist ein Problem, das flächendeckend immer stärker auftritt.
11.9.2026 Von Nicola Beier
Die Sommerferien gehen zu Ende, die Schultaschen stehen wieder im Flur und auf den Fußballplätzen der Region beginnt die neue Runde. Für viele Kinder heißt das: Kickschuhe schnüren, im Training Freunde treffen, Tore schießen. Doch bei den rund 50 C-Junioren der JSG Mittleres Taubertal – zu ihr gehören die Vereine SV Distelhausen, TSV Tauberbischofsheim, TSG Impfingen, SV Hochhausen, TSV Werbach und TSV Wenkheim – ist die Vorfreude zunächst gedämpft. Denn für sie findet sich bislang kein Trainer.
Damit die Jugendlichen nicht ganz ohne Fußball bleiben, gibt es aktuell eine Übergangslösung: Ein Jugendleiter hält den Betrieb am Laufen. Dauerhaft kann das aber keine Lösung sein – zu groß ist der Aufwand, zu unsicher die Planung für die neue Runde.
Eltern haben keine fußballerische Erfahrung
„Das Problem ist, dass die Eltern der rund 50 Kinder kaum fußballerische Erfahrungen mitbringen, um eine Mannschaft zielführend zu trainieren“, sagt Thomas Ditter, Jugendleiter des SV Distelhausen. Denn normalerweise seien es Eltern, die das Traineramt übernähmen und mit ihren Kindern die Nachwuchsteams durchliefen. Der Knackpunkt: „Kein Elternteil will eine Mannschaft trainieren, bei der das eigene Kind nicht mitspielt“, erklärt Ditter. Und genau das wird den C-Junioren nun zum Verhängnis. Die Jugend bestehe aus einem älteren und einem jüngeren Jahrgang. Und genau in diesen zwei Jahrgängen gebe es keine Freiwilligen mit der nötigen Erfahrung.
Dabei würden diese 50 Jugendlichen normalerweise zwei Teams der JSG Mittleres Taubertal stellen, die im Normalfall von zwei Trainerduos betreut würden. Weil es an Freiwilligen fehle, sei es inzwischen allerdings fast schon Standard, dass zwei Erwachsene alle 50 Kinder betreuen müssten, sagt Ditter. Aber nicht einmal die gebe es.
Daher suchten Vereinsvertreter händeringend nach Freiwilligen, die das Traineramt übernehmen. Und es brauche dazu gar nicht viel: „Jemand, der Fußball gespielt hat, reicht oft schon“, sagt Ditter. Er könne den Kindern Taktik und Spielverständnis näherbringen und ihre fußballerische Entwicklung fördern. Eine Trainerlizenz sei dafür keine Voraussetzung. Nötig seien vor allem Zeit und Verlässlichkeit: zweimal Training in der Woche, dazu die Spiele am Samstag.
Ohne Trainer wird ein Team abgemeldet
Sollte niemand Verantwortung übernehmen, habe das harte Konsequenzen: „Wenn wir niemanden finden, müssen wir eine der beiden Mannschaften vom Spielbetrieb abmelden“, erklärt Ditter. Für etwa 25 Kinder gäbe es dann am Wochenende kein Spiel mehr. „Das sind dann die, die über lange Sicht verloren gehen“, erklärt der Funktionär. Wer in diesem Alter nicht spielen könne, verliere oft den Spaß und wende sich womöglich ganz von der Sportart ab.
Was Thomas Ditter immer häufiger auffällt: Das Problem der mangelnden Ehrenamtlichen beginne nicht erst beim Trainerposten. Schon bei vergleichsweise kleinen Aufgaben rund um den Spieltag werde es schwierig: „Wenn es um solche Themen geht – Kuchen backen, zu Spielen fahren –, werden die Kinder noch vor dem Sportgelände abgesetzt.“ Viele Eltern verstünden das Fußballtraining offenbar als „ein unverbindliches Angebot“: Das Kind werde gebracht, trainiere und werde wieder abgeholt – die Organisation sollten andere übernehmen. Zwar gebe es auch Eltern, die sich stark engagierten. Jahr für Jahr seien es aber häufig nur drei oder vier. Die anfallende Arbeit verteile sich somit auf wenige Schultern.
BFV und WFV kennen das Problem zu gut
Und genau hier entstehe ein größeres Problem: Denn wenn jeder so denke, fehle es vielen Vereinen an allen Ecken und Enden an Ehrenamtlichen. Und die, die noch Verantwortung übernähmen, „werden ,verbrannt’“, so Ditter. Das stellten auch der Badische und der Württembergische Fußballverband (BFV, WFV) fest: „Dass Vereine und Jugendspielgemeinschaften Schwierigkeiten haben, ausreichend Trainer zu finden, ist aus unserer Sicht kein Einzelfall“, bestätigt Mariana Martins vom BFV. Arne Bauer vom WFV betont jedoch: „Die Situation unterscheidet sich dabei von Verein zu Verein erheblich.“
Beiden Verbänden lägen keine genauen Zahlen vor, wie viele Jugendmannschaften derzeit Schwierigkeiten hätten, Trainer zu finden. Es sei aber allgemein bekannt, „dass die Gewinnung und langfristige Bindung von Ehrenamtlichen vielerorts zu den größten Herausforderungen zählt. Besonders betroffen sind häufig Vereine, die stark wachsen oder viele Mannschaften im Spielbetrieb haben“, so Bauer.
Die Gründe seien vielfältig: Berufliche Anforderungen, Familie oder andere Freizeitaktivitäten sorgten dafür, dass die Leute weniger zeitliche Spielräume hätten. „Gleichzeitig hat sich die Bereitschaft verändert, sich langfristig an eine feste Funktion oder ein Amt zu binden“, beschreibt Martins. Viele Freiwillige wollten sich eher projektbezogen über einen kürzeren Zeitraum engagieren. Andererseits seien die Ehrenamtler, die feste Posten übernähmen, häufig jahrelang im Einsatz.
Und auch die Anforderungen an die Trainerrolle hätten sich über die Zeit verändert: „Trainer sind heute oft weit mehr als sportliche Anleiter. Sie sind Ansprechpartner für Kinder, Eltern und Vereine, vermitteln Werte, organisieren Abläufe und begleiten die persönliche Entwicklung der jungen Sportlerinnen und Sportler“, beschreibt Bauer. Deswegen stellen beide Verbände unter anderem Informationsmaterialien, Handlungsempfehlungen und Beratungsangebote zum Kinderschutz zur Verfügung. Und auch Qualifizierungsangebote würden gemacht.
Aufgabenteilung als Lösungsansatz
Um das Ehrenamt wieder attraktiver zu machen, nennen beide Verbände das Stichwort „Aufgabenteilung“. „Wichtig sind klar definierte Aufgaben, eine gute Verteilung auf mehrere Schultern, verlässliche Unterstützung sowie eine Kultur der Wertschätzung. Vereine, die Verantwortung auf mehrere Personen verteilen und neue Engagierte aktiv begleiten, haben häufig bessere Chancen, Ehrenamtliche langfristig zu gewinnen und zu halten“, sagt Bauer.
Wie wichtig es ist, Verantwortung zu teilen, zeigt sich derzeit bei der JSG Mittleres Taubertal besonders deutlich. Denn damit die C-Junioren nicht nur am Rand stehen, während anderswo nach den Ferien wieder gespielt wird, braucht es Menschen, die mit anpacken – im Idealfall nicht allein, sondern als Team.
Wer Fußballerfahrung mitbringt und sich vorstellen kann, die C-Junioren der JSG Mittleres Taubertal als Trainer zu unterstützen, kann sich bei Mike Jung von der TSG Impfingen unter Telefon 0151/12087141 melden. Denn das Ziel der Spielgemeinschaft ist, dass die rund 50 Jugendlichen bald wieder das tun können, worauf sie sich eigentlich freuen: Kickschuhe schnüren, Freunde treffen und Fußball spielen.
© picture alliance/dpa
Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 13.09.2026 um 19:19 von: (Aktueller Stand vom 13.09.2026 um 19:53)
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